Ferien auf dem Mars?

Roboter, Reisen ins All und fliegende Autos: Welche Visionen aus Science-Fiction-Filmen sind Realität geworden? Die Klassiker des Genres im «Reality Check».

Text Andrea Schmits
Fotografie Keystone

29. November 2019

Ferien auf dem Mars?

Die Zukunft ist dort, wo sich niemand auskennt. Sie ist Projektionsfläche und dient seit jeher als Spielwiese für Visionen, Hoffnungen und Ängste. Bereits im 2. Jahrhundert nach Christus machte der griechische Satiriker Lukian von Samosata Weltraumreisen und interstellare Kriege zum Thema. Im 19. Jahrhundert legten Autoren wie Jules Verne und E.T.A. Hoffmann mit ihren Visionen von Robotern und Raketen den Grundstein für das Genre Science Fiction.

Science-Fiction-Filme spielen in einer fernen Zukunft und sind doch immer auch ein Spiegel der Gegenwart. Mittlerweile hat die Zeit viele Klassiker des Genres eingeholt: So spielt zum Beispiel «Blade Runner» aus dem Jahr 1982 im Jahr 2019 oder «Zurück in die Zukunft Teil 2» im Jahr 2015. Was davon ist mittlerweile Wirklichkeit, was wird in absehbarer Zeit Realität und was eher nicht? 

Der Himmel als Autobahn

Hat Platz für zwei Passagiere: Die Drohne Ehang 216.
Hat Platz für zwei Passagiere: Die Drohne Ehang 216.

Dass wir je in unserem Privatauto über die Dächer hinwegfliegen werden wie Harrison Ford in «Blade Runner» (1982), zeichnet sich nicht ab. Passagierdrohnen aber sind im Kommen. Besonders weit ist die chinesische Stadt Guangzhou: Sie will die erste Stadt weltweit werden, in der Passagiere Drohnen wie Taxis nutzen – zu einem Preis, der nur leicht über einer normalen Taxifahrt liegen soll. Die Firma Ehang steht kurz vor der Serienproduktion. Firmengründer Hu Huazhi sagt, dass er den regulären Flugbetrieb in China in den nächsten zwei Jahren starten kann.

Reisen in die Vergangenheit 

Wenn Marty McFly im Film «Zurück in die Zukunft» (1985) in die 50er-Jahre reist, wirft das die Frage auf, ob Zeitreisen möglich sind und ob sich die Vergangenheit vielleicht sogar verändern liesse. Norman Sieroka, Philosophie-Professor an der Universität Bremen und studierter Physiker, sagt: «Es gibt durchaus Theorien, in denen Zeitreisen prinzipiell möglich sind.» So etwa im Gödel-Universum, das der Mathematiker Kurt Gödel nach den Gleichungen von Albert Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie beschrieben hat. Ob sich solche Möglichkeiten aber auch in unserem tatsächlichen Universum ergeben könnten, ist zu bezweifeln. Und sowieso: «Ein Szenario wie im Film wäre niemals möglich, weil sich die Vergangenheit nicht ändern lässt», sagt Sieroka.

Ihr Auto ist auch eine Zeitmaschine: Christopher Lloyd und Michael J. Fox im Film Zurück in die Zukunft.
Ihr Auto ist auch eine Zeitmaschine: Christopher Lloyd und Michael J. Fox im Film Zurück in die Zukunft.

Ferien im Weltall

Kämpft auf dem Mars um sein Überleben: Matt Damon in «Der Marsianer»
Kämpft auf dem Mars um sein Überleben: Matt Damon in «Der Marsianer»

Reisen ins All sind in Science-Fiction-Filmen omnipräsent – und dieser Menschheitstraum wird immer greifbarer: Die Raumstation ISS soll ab 2020 für Weltraumtouristen geöffnet werden, und Tesla-Chef Elon Musk träumt mit seiner Firma SpaceX von der Kolonialisierung des Alls. Dass ein Mensch auf dem Mars überleben könnte wie Matt Damon in «Der Marsianer» (2015) ist jedoch Fiktion. Der auf dem roten Planeten zurückgelassene Astronaut mischt Menschenkot mit Marserde und pflanzt Kartoffeln an. Unrealistisch, sagt die Wissenschaft, denn Marssand ist für Menschen giftig. «Space Farming» ist aber durchaus ein Forschungsgebiet. Wissenschaftler untersuchen dabei, wie sich auf nährstoffarmen Böden Gemüse anpflanzen lässt. 

Inspiration für Ingenieure

Science Fiction liefert immer wieder Inspiration für reale Erfindungen. So benutzte Captain Kirk in der Serie «Star Trek» (1966) ein mobiles Kommunikationsgerät mit ausziehbarer Netzantenne. Das inspirierte den Motorola-Ingenieur Martin Cooper als er 1973 das erste Handy entwarf. Die Videotelefonie prophezeite der Stummfilm «Metropolis» bereits 1927. Und in «2001: A Space Odyssey» (1968) schauen die Astronauten eine TV-Serie auf einem kleinen, tragbaren Computer, der aussieht wie ein Tablet. Samsung beschuldigte denn auch Apple, das Design des iPads dort abgekupfert zu haben. 

Er erfand das erste Handy: Martin Cooper von Motorola
Er erfand das erste Handy: Martin Cooper von Motorola

Roboter leben unter uns

Kult: R2-D2 aus Star Wars
Kult: R2-D2 aus Star Wars

R2-D2 aus «Star Wars» (1977), «Terminator» (1984) oder «Wall-E» (2008): Science Fiction liebt Roboter. In der Realität sind Roboter noch nicht ganz so selbständig wie im Film und haben meist auch nur wenig Ähnlichkeit mit Menschen. Eingesetzt werden sie vor allem in der Industrie, um Prozesse zu automatisieren. Androiden, die mit Merkmalen wie Augen und Mund an Menschen erinnern, sind vor allem in Japan beliebt. Hier kommen sie unter anderem in Pflegeheimen zum Einsatz. 

Das Zuhause denkt mit

Ob Lichtsteuerung durch Sprachbefehl in «Demolition Man» (1993) oder der Supercomputer in «Des Teufels Saat» (1977): Im Film ist das Zuhause schon lange smart. In der Realität ist das Smart Home erst dabei, sich durchzusetzen. Licht, Temperatur oder Rollladen werden vermehrt über Sensoren, Apps und Sprachassistenten wie Amazons «Alexa» gesteuert. Auch smarte Sicherheitssysteme, über die man das Zuhause aus der Ferne überwachen kann, gewinnen an Bedeutung. In Singapur können Familien die Bewegungen ihre alleinlebenden älteren Verwandten über Sensoren in deren Wohnungen kontrollieren.

Smart Home ausser Kontrolle: In «Des Teufels Saat» wird eine Familie von künstlicher Intelligenz bedroht.
Smart Home ausser Kontrolle: In «Des Teufels Saat» wird eine Familie von künstlicher Intelligenz bedroht.

Das Auto fährt sich selbst

Selbstfahrende Fahrzeuge sind längst keine Utopie mehr.
Selbstfahrende Fahrzeuge sind längst keine Utopie mehr.

Im Film «Die totale Erinnerung – Total Recall» (1990) springt Arnold Schwarzenegger im Jahr 2084 in ein Auto, das von einem Roboter gelenkt wird. So falsch lagen die Drehbuchautoren damit nicht: Seit Mitte 2018 kann jeder auf dem Las Vegas Strip Fahrzeuge nutzen, die durch Algorithmen gesteuert werden, und in Singapur fährt ein autonomer Shuttle durch den neuen botanischen Garten. Auch Privatautos können bereits autonom parkieren oder auf der Autobahn das Steuer übernehmen – ein menschlicher Fahrer bleibt bisher aber unabdingbar. 

Galerie von Science-Fiction-Filmen & Erfindungen


Künstliche Intelligenz, autonomes Fahren, Smart Homes: Die Zukunft ist näher, als wir denken. Als Journalistin begeistere ich mich für viele Themen – und erzähle den Lesern gerne die zugehörigen Geschichten. Das tue ich seit über zehn Jahren für Print- und Onlinemagazine, Tageszeitungen oder Blogs. Zuvor studierte ich Publizistik und Soziologie an der Universität Zürich.
Fotografie Keystone

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